Büchermarkt Kirchberg 2012

 

Mitwitz, 2018

 

 

 

 Dichter ...


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Zoological correct*ness[1]


Den Fischreiher, den gibt’s nicht mehr,

ein neuer Name musste her,

zwar frisst er heute auch noch Fisch,

doch kehrt man tunlichst untern Tisch,

dass er die Teiche gern durchsiebt,

weil er nun mal Forellen liebt.


Sein Vordername ist jetzt „Grau“,

denn damit, dachte man ganz schlau,

merkt niemand mehr, was er so treibt,

wenn er sich Karpfen einverleibt –

so grau wie seine neuen Paten,

die mächtig stolz auf ihre Taten.


Es schämt sich sehr die Schleiereule

für das erbärmliche Geheule,

das manche wegen Schleiern machen,

und kann darüber nicht mehr lachen.

Ganz neidisch schielt sie nach den Reihern,

denkt ernsthaft dran, sich zu entschleiern.


Wie Unrecht man Neunaugen tut,

seh‘n sie doch nur ganz vorne gut.

Der Rest der Augen sind Attrappen

wie der Piraten Augenklappen,

drum sollten wir  sie umbenennen,

bevor sie aus zwei Augen flennen.


Der Teufelsrochen möchte schweben,

im Leben noch viel Meer erleben,

hat mit der Hölle nichts zu schaffen

und lässt höchst ungern sich begaffen

von Menschen ganz in Gummihüllen,

mit Augen hinter Taucherbrillen.


Sie schleichen durch das Gras nicht blind,

auch wenn das Wort mit blind beginnt,

die Echsen wurden schlicht verkannt,

von jenen, die sie so benannt,

denn eigentlich, da seh’n sie gut

und finden die Bezeichnung krud.

  

Der Admiral fährt nie zur See,

drum tut ihm dieser Name weh,

er flattert lieber über Wiesen,

wo ihn die Wellen nicht verdrießen,

hofft, dass er viele Nesseln find,

wird seekrank nur vom Sommerwind.


Es wurde unser Säbelschnäbler,

benannt von einem Hirnvernebler,

der ihn zum Krieger machen wollte

als der Kanonendonner grollte,

dem Schwertwal geht es auch nicht besser

– dabei hat der nicht mal ein Messer!


Das Faultier leidet ganz beträchtlich,

man schaut auf es zumeist verächtlich,

was seine Würde tief verletzt,

doch auch der Tölpel ist entsetzt,

genauso wie die Trottellumme,

von der man denkt, sie sei die Dumme.


Zitronen falten, Gänse sägen,

wie schmäht man manches Tier deswegen!

Doch liegt es nur an ihren Namen,

dass derart in Verruf sie kamen,

drum müssen wir sie neu benennen

von ihrem falschen Erbe trennen.


Der Volksherrschaft ein Denkmal setzen,

klappt nicht, solange wir mehr schätzen

als Kellerassel und Tarantel

einen Monarch und Kaisermantel,

die dann zum Rittersporn hinfliegen,

anstatt für die Partei zu siegen.


Die süßen Mönchsgrasmückenkücken

soll’n in ihr Kloster sich verdrücken,

auch stört so manchen sehr die Nonne,

erst recht der Dompfaff in der Sonne,

der auf dem Pfaffenhütchen sitzt,

wo frech sein schwarzes Käppchen blitzt.


Wenn Binsenjungfern Junge kriegen,

die lautlos durch die Binsen fliegen,

so sollte dies unmöglich sein,

auch glaubt es heutzutag kein Schwein,

dass die Hausmutter Vater wird,

die Gaslaternen gern umschwirrt.


Es sieht die Haubentaucherin

sich ganz als Frauenrechtlerin,

will nicht länger Taucher sein,

Erdmännchenweibchen auch befrei’n

vom Ballast alter Biologen,

die bei der Namensgebung logen.


Den Mohrenfalter ganz vernichten

woll‘n manche, die empört berichten,

dass Sprache auch ein Schlachtfeld sei.

Sie wünschen in die Walachei

das Tier und möchten es erschlagen,

den Artenschutz ihm ganz versagen.


Die Lachmöwe darüber lacht

hoch auf dem Fockmast einer Yacht.

Der Orpheusspötter stimmt ihr zu

und findet, man muss nicht partout

nach Kirschkernen im Kuchen suchen

und sie als Anschlag gleich verbuchen!

                  
    

[1] Da es sich hierbei um ein Gedicht über die deutsche Sprache handelt, habe ich – dem Zeitgeist folgend – ganz bewusst eine englische Überschrift gewählt. Zusätzlich habe ich noch ein Sternchen mit hineingeschmuggelt. Zum einen, weil es modern und chic ist, vor allem aber, um damit zu betonen, dass sich der Inhalt nicht nur auf die genannten Tierarten beschränkt, sondern selbstverständlich auch deren Eier, Puppen, Larven und sämtliche anderen Erscheinungsbilder und Lebensformen mit einschließt.




Zur Person

 

  • 1957 geboren in                     Gudensberg (Hessen)
  • seit 1994 zuhause in               Rudolstadt an der Saale
  • verheiratet, drei Kinder
  • publizistisch tätig seit              1981
  • Vorsitzender des                     AutorenVerbandes                 Franken
  • Mitglied im Verein                   Deutsche Sprache       
  • außerdem Umwelt-                 wissenschaftler und               Förster