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Von Mäusen und Menschen und Rehen


Zwanzig Rehe, zusammengepfercht auf einen Quadratkilometer deutschen Waldes, bedeuten für diesen eine Katastrophe. Die Pflanzenwelt schrumpft auf einige robuste Arten zusammen und die Keimlinge von Buche und Eiche enden im Pansen des Wildes, anstatt zu neuen Bäumen heranzuwachsen. Selbst die Wenigen, die überleben, degenerieren durch den ständigen Verbiss zu absurden Kümmerformen. Förster und Jäger müssen zur Büchse greifen, um den Bestand auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Sie tun dies zum Segen unserer Wälder, die ohnehin stark genug geschädigt sind. Aber sie simulieren nicht, wie fälschlicherweise oft behauptet wird, die natürliche Regulation des Wildes durch Bären, Luchse und Wölfe. Unter ungestörten Verhältnissen sieht es im Gegenteil so aus, dass das Angebot an Beute die Zahl der Raubtiere bestimmt. Die Populationsdichte der Pflanzenfresser aber unterliegt völlig anderen Spielregeln.


Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Zahl der Jungen und deren Geschlechterverhältnis. Beim Rehwild kommt unter günstigen Bedingungen ein Bockkitz auf zwei Rickenkitze, woraus eine starke Vermehrung in der nächsten Generation resultiert. Bei Überbevölkerung verhält es sich genau umgekehrt. Auf ein weibliches kommen dann bis zu drei männliche Kitze. Reichen diese artspezifischen Mechanismen nicht aus, so sorgen Nahrungsmangel, Stress und Krankheiten für den Zusammenbruch überhöhter Populationsdichten.


Fünf bis sechs Stück Rehwild pro Quadratkilometer gelten als gerade noch tragbar. Beim Menschen – obwohl fünfmal so schwer – müssen sich in der Bundesrepublik den gleichen Quadratkilometer zweihundertdreißig Individuen teilen, in Bangladesch über elfhundert und in einigen Bezirken Kairos sogar zehntausende. Diese Zahlen machen deutlich, dass unser Planet hoffnungslos überbevölkert ist. Lebten zur Zeit von Christi Geburt ca. 300 Millionen Menschen auf ihm, so waren es um das Jahr 1700 schon doppelt so viele. Heute sind es mehr als zwanzigmal so viel, nämlich knapp acht Milliarden, und in weiteren achtzig Jahren werden es elf Milliarden sein. Vorausgesetzt, die Regeln der Populationsdynamik würden beim Menschen nicht greifen. Doch zu dieser Vermutung besteht kein Anlass.


Die Massenvermehrung des Homo sapiens ist beispiellos. Genauso einzigartig wird der sich anbahnende Zusammenbruch der Überpopulation sein. Vergangene Jahrhunderte bieten einen kleinen Vorgeschmack in Form katastrophaler Bevölkerungseinbrüche, die jedoch stets räumlich begrenzt waren und durch Auswanderung und technischen Fortschritt aufgefangen werden konnten. Bereits im ausgehenden Mittelalter war die Kapazität des Lebensraumes in Zentraleuropa erschöpft. Hungersnöte, Kriege und Seuchen – wie die verheerenden Pestepidemien – dezimierten die Bevölkerung um rund ein Drittel. 1492 kam es dann zur „Entdeckung“ Amerikas und in der Folge zur größten Völkerwanderung, die es jemals gegeben hat. Die Ermordung von 100 Millionen Indianern schaffte Platz für das überquellende Europa, war das Ventil, das den Kontinent vor der Explosion bewahrte. Gleichzeitig ermöglichte die Industrialisierung eine wenig artgerechte Massen-Mensch-Haltung mit bis dahin unvorstellbaren Stückzahlen.


Afrika, Asien und Südamerika mit ihrem scheinbar unerschöpflichen Reservoir an intakter Umwelt mussten und konnten den Raubbau in der nördlichen Hemisphäre über Jahrhunderte ausgleichen. Als große Teile des deutschen Waldes in Kriegsschiffen und Backhäusern, in Viehställen und romantischen Fachwerkhäusern verarbeitet waren, sorgte die „grüne Hölle“ an Amazonas und Kongo trotzdem noch für die Regulation des Klimas und die Reinhaltung der Atmosphäre. Heute dagegen ist die Umweltvernichtung weltweit, verzeichnet in den Entwicklungsländern sogar die dramatischsten Zuwachsraten. Alle Plätze sind vergeben auf unserem Planeten und statt nach Amerika ziehen die Flüchtlingsströme nur noch im Kreis von einem Elend ins nächste. Der Versuch, aus Erdöl und Uran Wohlstand für alle zu schaffen, hat gigantische Schäden hinterlassen und die größte Zahl an Hungernden, die es je auf der Erde gab.


Die Kapazität der Umwelt ist erschöpft, unsere Fruchtbarkeit dagegen ungebrochen. Aus diesem Widerspruch folgt die unausweichliche Konsequenz des Zusammenbruchs, der alle Kalamitäten beendet, unabhängig davon, ob es sich um Borkenkäfer, Heuschrecken oder Menschen handelt.


Die Zunahme der Populationsdichte und damit der innerartlichen Konkurrenz führt zur Besiedlung von Lebensräumen, die nur sehr beschränkt für die jeweilige Art geeignet sind. Beim Menschen trifft dies z. B. für die tropischen Regenwälder zu. Mit Ausnahme derjenigen, die sich in einem jahrtausendelangem Prozess an die besonderen Bedingungen dieses Ökosystems angleichen konnten, käme freiwillig niemand auf die Idee, einen Fuß hierher zu setzen. Aber auch die Favelas von Rio de Janeiro, Kairos Müllstädte oder die abbruchreifen Slums von New York würden von der Mehrzahl ihrer Bewohner sicher gemieden, wenn für diese eine Alternative bestände, wenn eine andere Umgebung für sie zugänglich wäre.


Eine explodierende Bevölkerung bei gleichbleibender Fläche fördert die Aggressivität untereinander und begünstigt jene, die ihre Einzelinteressen am rücksichtslosesten durchsetzen können. Das Sozialverhalten muss hinter den elementaren Bedürfnissen nach Platz und Nahrung zurücktreten. Hinzu kommt allein durch die Vielzahl der Begegnungen eine permanente Stresssituation, die die Lage zusätzlich verschärft. Ein heutiger Großstadtbewohner trifft an einem einzigen gewöhnlichen Wochentag mehr Menschen als die meisten seiner Vorfahren während ihres gesamten Lebens. Folglich ist er beinahe ununterbrochen darauf fixiert, seine Ansprüche gegen die der anderen zu verteidigen. Jeder Flüchtling, der nachts durch die Oder schwimmt oder von einem Seelenverkäufer an die Strände der griechischen Inseln gespuckt wird, ist – biologisch gesehen – lediglich ein Individuum auf Suche nach einem Revier. Und jeder populistische Dummschwätzer, der deutsches Kulturgut gefährdet sieht, aus der gleichen Perspektive nichts weiter als ein Revierinhaber in Abwehrstellung. Es ist kein Zufall, dass die Ausländerfeindlichkeit im Prekariat und in den sozialen Randgruppen die militantesten Formen annimmt. Hier ist die Konkurrenzsituation am konkretesten und folglich die Auseinandersetzung am gnadenlosesten.


Die Industriegesellschaft sichert ihren Mitgliedern zwar das Überleben, aber sie tut es unter künstlichen Bedingungen. Auch Tiere lassen sich im Labor auf engstem Raum halten, auf Flächen, die nur einen winzigen Bruchteil ihrer natürlichen Areale ausmachen. Die Folgen sind jedoch abnorme Verhaltensweisen, die mitunter bis zum Kannibalismus führen können. Die Kriminalstatistiken von Detroit, Nairobi oder Berlin sprechen in diesem Zusammenhang für sich, ebenso wie die Wartezimmer der Psychiater, die Selbstmordraten und die kleinen Fluchten mit Flasche und Spritze. Auf Tiere kann eine extreme Überbevölkerung sogar unmittelbar tödlich wirken. Bei Feldmäusen und Lemmingen kommt es dann zu einer dauernden Erhöhung des Adrenalinspiegels mit Unterzuckerung des Blutes und Drosselung der Nierenfunktion. Die Tiere sterben an Harnstoffvergiftung oder hypoglykämischen Schock.


Nahrungsmangel, Stress und innerartliche Konkurrenz bremsen eine ungehemmte Vermehrung. Die Notbremse aber sind Krankheiten, die eine Population über erhöhte Mortalität innerhalb kürzester Zeit regulieren können. Ein typisches Beispiel ist die Myxomatose beim Kaninchen, die sich in Australien als einzig wirksame Waffe gegen die ungeheure Fruchtbarkeit dieses Nagers erwiesen hat. Auch sonst macht sich die biologische Schädlingsbekämpfung Krankheiten zunutze, die selektiv auf einzelne Arten wirken und ohne Folgen für andere Tiere und Pflanzen bleiben. So Baculoviren gegen Baumwollschädlinge in den USA, Bacillus thuringiensis gegen Frostspanner, Eichenwickler, Kohl- und Gespinstmotten und Bacillus thuringiensis israelensis gegen Malaria übertragende Moskitos.


Nur – die Natur kennt keine Unterschiede zwischen Motten, Mücken und Menschen. Bei uns greifen die gleichen Mechanismen wie bei allen anderen Lebewesen, wenn die Kapazität unserer Umwelt erschöpft ist. Im Mittelalter die Pest, nach dem 1. Weltkrieg die spanische Grippe und Ende des 20. Jahrhunderts die globale Verbreitung von Aids.


Und jetzt eben Covid-19. Ein mörderisches Virus, gewiss. Aber auch eines, das vorzugsweise dort zuschlägt, wo der Mensch ihm die Wege für seine Weiterverbreitung ebnet, indem er einfachste Hygieneregeln missachtet. Sei es aus purer Not (wie in den Elendsvierteln der Dritten Welt) sei es aus Geldgier (wie im Arbeitsalltag deutscher Tiertötungsanstalten) oder aus grenzenloser Dummheit (wie auf mallorquinischen Saufgelagen, sächsischen Neonazi-Aufmärschen und Raubzügen in der Innenstadt von Stuttgart).


Bleibt die Zerstörung der eigenen Lebensgrundlagen, die Abtrennung des berühmten Astes, auf dem wir sitzen. Auch sie findet ihre Parallelen im Tierreich, wenngleich in bescheideneren Ausmaßen. Die afrikanische Wanderheuschrecke kann derartige Verwüstungen anrichten, dass sie sogar in die biblische Apokalypse des Johannes Eingang gefunden hat. Ein harmloser Pflanzenfresser wird allein durch seine gigantischen Stückzahlen zu einer monströsen Bedrohung ganzer Landstriche. Ein Schwarm vernichtet sämtliche Vegetation und damit letztlich sich selbst. Der Grundstein für das Massensterben wird bereits mit der Massenvermehrung gelegt. Und es wäre absurd, Konzepte für einen „sanften Kahlfraß“ entwickeln zu wollen, um den Kollaps zu verhindern.


Die Begrenztheit jeder Art von Wachstum ist ein Naturgesetz, das sich auch mit modernster Technik nicht außer Kraft setzen lässt. Ein Luftballon platzt, wenn er den kritischen Punkt erreicht, eine Population bricht zusammen. Sie geht zugrunde an Nahrungsmangel, Verteilungskämpfen, Stress, Krankheiten und Übernutzung ihrer Umwelt. Wir haben die Grenze überschritten und damit werden die Ereignisse ihren unabänderlichen Lauf nehmen. Urbane Ballungsräume mit 20 Millionen Einwohnern, wie Mexico-Stadt oder Bombay sind nicht mehr steuerbar. Und 165 Millionen Ostbengalen lassen sich auf einer Fläche von der doppelten Größe Bayerns weder ernähren noch effektiv vor den Wassermassen schützen, die bis zu 80 % von Bangladesch regelmäßig überfluten.


Internationale Verflechtungen können die Probleme nicht lösen, sondern nur verlagern und kaschieren. Eine Million Jemeniten brachten als Gastarbeiter in den Ölstaaten des Persischen Golfs ihrer Heimat einen relativen Wohlstand und den stürmisch gefeierten Anschluss an die Segnungen des zwanzigsten Jahrhunderts. Doch Dieselpumpen und Bewässerungsanlagen sorgten rasch dafür, dass der Grundwasserspiegel stellenweise Hunderte von Metern gesunken ist. Und schließlich markierte die Vertreibung seiner Bürger aus Kuwait und Saudi-Arabien als Rache für seine neutrale Haltung während des Golfkriegs 1991 im Jemen den Beginn einer Krise, von der sich das Land nie wieder erholen konnte und die inzwischen apokalyptische Ausmaße angenommen hat.


Dabei könnten gerade die Geschichte und Kultur dieses Landes als Vorbild für künftige Entwicklungen dienen. Über Jahrtausende bewahrten seine Bewohner unter schwierigsten klimatischen und topographischen Bedingungen ein sorgfältig austariertes ökologisches Gleichgewicht. Bei aller Geschäftstüchtigkeit – jemenitische Kaufleute waren in Ostafrika genauso zu Hause, wie in Indien oder Malaysia – wehrten sie sich höchst erfolgreich gegen die blinde Übernahme fragwürdiger technischer Neuerungen. Und eine Religion, die den Menschen nur als einen Teil der Schöpfung begreift, verhinderte als Grundlage der Gesetzgebung einen pluralistischen Schlingerkurs, der irreversible Entscheidungen von zufälligen und wechselnden Mehrheiten abhängig macht.


Die Vergangenheit der Erde ist geprägt von Katastrophen wie Vulkanausbrüchen, Klimaschwankungen und Meteoriteneinschlägen. Das Leben auf ihr konnte dadurch jedoch niemals ausgerottet werden. sondern reagierte mit einer unglaublichen Vielfalt jeweils neuer Formen. Auch der Treibhauseffekt und andere Folgen menschlicher Unvernunft werden es nicht auslöschen können. Sie werden es nur verändern und die gravierendste Veränderung wird die weitgehende Abwesenheit des Menschen sein. Bei unserem eigenen Untergang sind wir im Gegensatz zu dem der Dinosaurier live dabei und können viele nutzlose, aber spannende Erkenntnisse sammeln. Vielleicht können wir durch kompromisslose Alleingänge auf nationaler und multinationaler Ebene sogar einen kleinen Teil der Konkursmasse retten. Dies ist die einzige Hoffnung, die uns bleibt – und für die es sich trotz allem zu kämpfen lohnt! 

Er ist da!


Mein neuer Gedichtband. Mehr dazu unter "Lesungen und anderes"




 Besuch bei Hamlet (Schloss Kronborg in Helsingør)

Zur Person


  • 1957 geboren in                 Gudensberg (Hessen)
  • seit 1994 zuhause in         Rudolstadt an der               Saale
  • verheiratet, drei                 Kinder
  • publizistisch tätig seit       1981
  • Vorsitzender des                 Autorenverbandes             Franken
  • Mitglied im Verein              Deutsche Sprache 
  • Umweltwissenschaft-          ler und Förster

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